Wie Künstliche Intelligenz die Arbeitswelt verändert – und warum qualifizierte Jobcoaches heute unverzichtbar sind

Wie Künstliche Intelligenz die Arbeitswelt verändert – und warum qualifizierte Jobcoaches heute unverzichtbar sind

Ein Blick zurück: Der industrielle Arbeitsplatz im Wandel

Die Arbeitswelt hat sich schon immer gewandelt – besonders dann, wenn technologische Entwicklungen grundlegende Veränderungen mit sich brachten. Seit der Industriellen Revolution im 18. Jahrhundert hat sich nicht nur die Produktion verändert, sondern auch die Rolle des Menschen darin.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts revolutionierte die Fließbandarbeit die industrielle Fertigung. Sie senkte Produktionskosten erheblich, führte aber zugleich zum Verlust zahlreicher traditioneller Handwerksberufe. Später sorgten Gabelstapler, Förderbänder und Industrieroboter in der Logistik und Produktion dafür, dass viele körperlich geprägte Tätigkeiten durch Maschinen ersetzt wurden. In der Automobilbranche beispielsweise fielen durch Automatisierung und Robotik seit den 1980er-Jahren hunderttausende Arbeitsplätze weg. Allein zwischen 2000 und 2010 verlor die US-amerikanische Industrie über 5,6 Millionen Jobs – ein Großteil davon durch technologische Rationalisierung (Quelle: Center for Business and Economic Research, Ball State University).
Auch der Bergbau, einst Garant für sichere, gut bezahlte Arbeit, wurde durch Maschinen, Digitalisierung und Globalisierung stark ausgedünnt. Klassische Berufe wie Schweißer oder Maschinisten sind heute zunehmend von computergesteuerten Systemen verdrängt worden.
In den letzten zwei Jahrzehnten hat die Digitalisierung dann auch ganze Dienstleistungsbranchen verändert. Banken automatisieren Beratung und Kundenservice, Telekommunikationsanbieter setzen auf Chatbots und automatisierte Abrechnungsprozesse. Logistikunternehmen nutzen KI für Routenoptimierung, autonome Fahrzeuge und Lagerrobotik.


Der nächste Umbruch: Künstliche Intelligenz verändert auch kognitive Arbeit
Heute stehen wir an einer neuen Schwelle: Die Künstliche Intelligenz verändert nicht mehr nur körperliche oder repetitive Tätigkeiten, sondern greift tief in kognitive, kreative und administrative Arbeitsfelder ein. KI-Systeme können Texte schreiben, Bilder generieren, Software entwickeln, juristische Einschätzungen geben und medizinische Diagnosen unterstützen. Der Wandel betrifft damit erstmals auch Tätigkeiten im mittleren und höheren Qualifikationsbereich.
Laut einer Studie von McKinsey könnten bis 2030 weltweit bis zu 800 Millionen Arbeitsplätze wegfallen oder sich grundlegend verändern. Das Weltwirtschaftsforum prognostiziert in seinem „Future of Jobs Report 2023“ bis 2027 einen Nettoverlust von rund 14 Millionen Stellen – mit 83 Millionen Jobs, die wegfallen, aber „nur“ 69 Millionen, die neu entstehen.
Besonders betroffen sind klassische Sachbearbeitungsfunktionen, Callcenter-Mitarbeitende, Bankangestellte, Redakteur:innen und auch einfache Programmieraufgaben. Die Angst, durch Technologie ersetzt zu werden, ist für viele Menschen längst keine abstrakte Sorge mehr, sondern konkrete Realität.
Gleichzeitig entstehen neue Chancen – insbesondere in der Entwicklung, Steuerung und Überwachung von Technologien, in sozialen, kreativen und ethischen Feldern sowie in der Weiterbildung und individuellen Beratung.


Was dieser Wandel für Arbeitnehmer:innen und Selbstständige bedeutet
Dieser Wandel verunsichert. Viele Menschen fragen sich, welche Berufe künftig überhaupt noch gefragt sind – und wie sie sich sinnvoll beruflich neu aufstellen können. Das betrifft nicht nur Arbeitnehmende, sondern auch Selbstständige. Wer angestellt ist, steht vor der Herausforderung, sich regelmäßig weiterzubilden, umzuschulen oder sich ganz neu zu orientieren. Viele Selbstständige wiederum erleben, dass Dienstleistungen, die noch vor wenigen Jahren stark nachgefragt waren – etwa in der Texterstellung, der Buchhaltung oder im Online-Marketing – heute durch KI-Systeme ersetzt oder stark verändert werden.
Doch es gibt auch neue, vielversprechende Berufsfelder:
– KI-gestützte Beratung und Bildung
– Pflege, Soziales und Gesundheitsberufe
– Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz
– IT-Sicherheit, Cybersecurity und Datenethik
Damit Menschen diese neuen Möglichkeiten überhaupt erkennen und nutzen können, braucht es oft gezielte Unterstützung. Bei Migrations- oder Fluchthintergrund kann dies noch einmal besonders herausfordernd sein.


Menschen mit Migrations- oder Fluchthintergrund: Berufliche Integration braucht mehr als nur Sprachkurse
Zahlreiche Zugewanderte und Geflüchtete bringen Potenzial, Berufserfahrung und Motivation mit. Doch ihr Zugang zum Arbeitsmarkt ist – neben sprachlichen Barrieren – meist von Hürden geprägt. Dazu zählen:
– fehlende Anerkennung von Abschlüssen und Qualifikationen
– unklare Vorstellungen über berufliche Möglichkeiten in einem neuen System
– kulturelle Unterschiede im Bewerbungsverfahren
– psychische Belastungen durch traumatische Erfahrungen
– sowie mangelnde Netzwerke und Orientierung


Warum qualifizierte Jobcoaches jetzt wichtiger sind denn je
In diesen Phasen des tiefgreifenden Umbruchs und im Hinblick auf immer neue Herausforderungen sind qualifizierte Jobcoaches unverzichtbar. Sie holen Menschen in ihrer aktuellen Situation ab und helfen dabei, Orientierung zu finden, Potenziale neu zu entdecken, realistische Alternativen zu entwickeln und sich auf neue berufliche Wege vorzubereiten. Ob bei der Entscheidung für eine Umschulung, der Entwicklung einer Selbstständigkeit oder der Begleitung durch berufliche Veränderungsprozesse: professionelle Jobcoaches machen den Unterschied.
Gute Jobcoaches bringen nicht nur Methodenwissen, sondern auch Lebenserfahrung, Branchenkenntnis und ein Gespür für komplexe Prozesse mit. Sie arbeiten empathisch, systemisch und zielorientiert – immer angepasst an die individuellen Lebensumständen ihrer Klient:innen.


Auch Arbeitgeber profitieren – Jobcoaching als strategischer Vorteil
Jobcoaching wirkt nicht nur auf individueller Ebene. Auch Unternehmen und Organisationen profitieren direkt davon. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels, der Transformation und des demografischen Wandels ist dies von großer Bedeutung.
Ein gezielt begleitetes Coaching kann:
– die Passung zwischen Mitarbeitenden und Aufgaben verbessern
– Einarbeitungszeiten verkürzen
– Mitarbeitermotivation und Identifikation stärken
– Fluktuation und Fehlbesetzungen reduzieren
– die Arbeitgebermarke stärken
Denn wer Mitarbeitende hat, die mit einem klaren beruflichen Ziel und realistischen Erwartungen in den Job starten, trägt zu einer produktiveren und stabileren Arbeitsumgebung bei. Gerade in Prozessen der Veränderung – etwa bei Umstrukturierungen, Fusionen oder Transformationsprogrammen – kann Jobcoaching Brücken bauen: zwischen den Erwartungen der Organisation und den individuellen Entwicklungspfaden der Mitarbeitenden.


Einheitliche Qualifikation als Grundlage für Vertrauen und Qualität
Trotz der wachsenden Bedeutung ist der Beruf „Jobcoach“ in vielen Ländern nicht geschützt. Es fehlen einheitliche Ausbildungswege, verbindliche Qualitätsstandards und ein anerkanntes Berufsbild. Die Folge: Ratsuchende können oft nicht einschätzen, welche Qualifikation hinter dem Titel „Coach“ wirklich steckt.
Deshalb braucht es verbindliche Standards. Sie sorgen für:
Qualitätssicherung in einem sensiblen Beratungsbereich
Schutz der Ratsuchenden – insbesondere in beruflichen Krisenphasen
Professionalisierung und Anerkennung des Berufsbilds
Verlässlichkeit und Vergleichbarkeit für Auftraggeber und Institutionen
Internationale Vergleichbarkeit und Anerkennung
Dazu gehören klare Ausbildungsrichtlinien, ethische Leitlinien, Weiterbildungspflichten, Gütesiegel und Supervision als Mindeststandard für eine verantwortungsvolle Beratungspraxis.


Unser Fachverband als Wegbereiter für Qualität
Der Fachverband für Berufscoaches und Jobcoaches weltweit e.V. setzt sich mit Nachdruck für diese Professionalisierung ein. In enger Zusammenarbeit mit Bildungsanbietern, Arbeitgebern, Behörden, NGOs und internationalen Fachgremien entwickeln wir:
– Qualitätsrichtlinien, die fachliche, soziale und methodische Kompetenzen erfassen
– Zertifizierungsmodelle, die international anschlussfähig sind
– Empfehlungen für Curricula mit Theorie und Praxisteilen
– Verfahren zur Anerkennung von Quereinsteiger:innen mit Berufserfahrung
Zudem fördern wir den fachlichen Austausch und die Vernetzung von Coaches, Wissenschaft und Arbeitswelt – national wie international. Als Forschungseinheit beobachten wir kontinuierlich den Wandel des Arbeitsmarkts und geben fundierte Empfehlungen an Mitglieder, Institutionen und Entscheidungsträger weiter.


Fazit: Weiterlernen ist das neue Normal
Die Arbeitswelt von morgen ist dynamisch, technologiegetrieben und komplex. Wer bestehen will, muss sich regelmäßig weiterbilden, spezialisieren und sich selbst immer wieder neu erfinden.
– Umschulung ist oft der erste Schritt.
– Weiterbildung hält am Puls der Zeit.
– Spezialisierung eröffnet neue Chancen.
– Arbeiten mit KI – aber wie? Menschen müssen lernen, mit KI zu arbeiten, nicht gegen sie.
In einer Welt voller Veränderungen ist eines konstant: der Bedarf an guter Beratung. Dafür braucht es Menschen, die diese neue Welt kennen, verstehen und mitgestalten – qualifizierte Jobcoaches mit Haltung, Know-how und Rückgrat.
 
Quellen:
– McKinsey Global Institute: Jobs lost, jobs gained: Workforce transitions in a time of automation (2017)
– World Economic Forum: The Future of Jobs Report 2023 (2023)
– Center for Business and Economic Research, Ball State University: The Myth and the Reality of Manufacturing in America (2015)

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